Christian Ullrich
April 2014
TBD…
Mit der Erkenntnis des Wandels der IT vom Kostenfaktor zum Wertbeitrag gehen mehrere Ableitungen einher: Zum einen die weitere Konsolidierung und Standardisierung unterstützender Informations- und Kommunikationssysteme. Diese sollen möglichst schnell eingeführt, aktualisiert und betrieben werden. Auf der anderen Seite spielt die Informationstechnologie eine wertschöpfende Rolle. Dabei wird sie zum Bestandteil des Produkts. Hierbei werden Informationssysteme als Alleinstellungsmerkmal der Leistung entwickelt und eingeführt.
Diese Entwicklung der Standardisierung auf der einen und der Individualisierung auf der anderen Seite führt zu einer komplexen Gemengelage der IT im Unternehmen. Nach Jahren des unkontrollierten Wachstums der IT folgt nun die Konsolidierung. Ziel ist eine geordnete, aufeinander abgestimmte und vor allem dokumentierte IT-Umgebung. Dies zu erreichen ist vielerorts ein Kraftakt.
Dabei können verschiedene Frameworks und Best Practices für das IT-Management unterstützen. Die Wichtigsten sind die IT-Governance, das Enterprise-Architecture-Management und das IT-Service-Management. Grob formuliert bestimmt die IT-Governance die Kontrollziele im IT-Management sowie die IT-Service-Management-Prozesse zur Leistungserbringung von IT-Services. Die nachfolgend weiter behandelte Enterprise Architecture, zu Deutsch Unternehmensarchitektur, bietet einen ganzheitlichen Blick auf den Aufbau des Unternehmens, die Geschäftsprozesse und die IT.
Das Feld der Unternehmensarchitektur ist seit einigen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. In den letzten Jahren erlangt es in der Wirtschaft besondere Aufmerksamkeit. Viele Organisationen gelangten dabei zur Erkenntnis, dass die Komplexität der eigenen Informationstechnologie nicht mehr ohne Weiteres beherrschbar ist.
John Zachman definiert die Enterprise Architecture folgendermaßen:
“My definition would be,’Architecture is that set of design artifacts, or descriptive representations, that are relevant for describing an object such that it can be produced to requirements (quality) as well as maintained over the period of its useful life (change).’” [1]
In eine ähnliche Richtung geht die Definition der ANSI/IEEE:
“The fundamental organization of a system, embodied in its components, their relationships to each other and the environment, and the principles governing its design and evolution” [2]
Die Grundlage des IT-Managements ist die IT-Strategie. Mit dieser werden die IT-Ziele der Organisation festgelegt. Diese werden in der Unternehmensarchitektur verfeinert, wobei Business, Informationen, Prozesse und Technologie berücksichtigt werden. [3]
Die Hauptziele des Enterprise-Architecture-Managements sind dabei auf Top-Management-Ebene angesiedelt: [4]
Entscheidend ist demnach der ganzheitliche Blick auf das Unternehmen. Anders als der Begriff “Architektur” vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine statische Analyse. Vielmehr gilt es, die Veränderungen im Unternehmen, sowohl im Business als auch in der IT, stetig voranzutreiben. Die Unternehmensarchitektur unterstützt bei der Entwicklung neuer Prozesse und IT-Systeme und zeigt den Bedarf an notwendigen Änderungen auf. Dabei halten sich Stabilität und Flexibilität in Waage. [5]
Der Begriff Unternehmensarchitektur ist nicht einheitlich definiert. Die Abgrenzung der einzelnen Elemente voneinander und gegenüber der Unternehmensarchitektur als Ganzes fällt nicht immer leicht. Möglich ist die Unterscheidung in die Domänen Business, Organisation, Technologie und Information. [6] Alternativ kann man nach folgenden Ebenen unterscheiden: Business, Prozesse, Integration, Software und Technologie. [7]
Enterprise-Architecture-Management unterstützt Organisationen auf unterschiedliche Weise. Insbesondere bei der organisatorischen Ausrichtung, der Verfügbarkeit von Informationen, der Optimierung des Ressourcenportfolios und der Ergänzung der Ressourcen. Die detaillierteren Ansätze und Vorgehensweisen der Architekturbestimmung unterscheiden sich je nach Werkzeug, teilweise jedoch deutlich. [8]
Zur Vorgehensweise und zur Dokumentation der Ergebnisse gibt es verschiedene Rahmenwerke. Diese sogenannten Frameworks beschreiben den Aufbau, die Funktionsweise sowie die Anwendung zur Erstellung und Pflege einer Unternehmensarchitektur. Diese Arbeit vergleicht die bestehenden Frameworks, zum einen anhand einer Literaturanalyse, zum anderen durch einen systematischen Vergleich.
Entscheidet sich eine Organisation für die Einführung eines Enterprise-Architecture-Managements, stellt sie sich einige Fragen. Dabei ist die Wahl eines Architektur-Frameworks und -Tools von besonderer Bedeutung. Das Framework liefert die Prozesse und die Dokumentationsschemata der Architektur. Das Software-Tool unterstützt bei der systematischen Pflege der Dokumentation und bildet damit die Grundlage der täglichen Arbeit. Die Bedeutung der Wahl des Frameworks reicht darüber hinaus: Mitarbeiter werden geschult oder bilden sich selbst fort. Die Architektur wird mit anderen Organisationen verglichen und miteinander verbunden. Dazu sind einheitliche Standards unerlässlich.
Somit sollte der Prozess der Auswahl eines Frameworks und passenden Tools wohlüberlegt erfolgen. Eine einmal getroffene Wahl wird, insbesondere in größeren Organisationen, kaum mehr umkehrbar sein. Zwar existieren, wie später gezeigt wird, Mappings der einzelnen Frameworks, jedoch dürfte eine Migration in der Praxis erheblich mehr Aufwand erfordern als in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Diese Arbeit hat den Anspruch, die relevanten und im Einsatz befindlichen Enterprise-Architecture-Frameworks zu analysieren. Dabei wird berücksichtigt, dass viele Frameworks kontinuierlich weiterentwickelt werden. Somit wird ein genereller Blick auf die Funktionsweise der Frameworks geworfen, ohne dabei einen Feature-Vergleich vorzunehmen.
Die Marktanalyse gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Teil werden wissenschaftliche Aufsätze und Fachbücher analysiert, die den Vergleich von Frameworks zum Gegenstand haben. Der zweite Teil betrachtet ergänzende Kriterien und weitere Frameworks. Zudem wird die aktuelle Marktsituation ausgewertet.
Beim Vergleich der Frameworks treten verschiedene Problematiken auf: Viele davon werden nur in geringem Maße untersucht und bleiben damit weitestgehend unbekannt. Bezeichnenderweise bietet Wikipedia einen guten Überblick über bekannte Frameworks. Ein weiteres Problem ist die Sichtung der Frameworks selbst. Bei Weitem nicht alle sind offen zugänglich. Einige sind proprietär und nur bei entsprechenden Verträgen mit den Herausgebern einsehbar. Ein weiteres Problem ist die stark unterschiedliche Anzahl der Dokumente. Einige Frameworks sind sehr detailliert beschrieben, andere geben nur eine grobe Stoßrichtung vor. Dazu kommt der Aufwand der Sichtung der Unterlagen. Bei mehreren Dutzend Frameworks und jeweils mehreren hundert Seiten ist der Aufwand der Analyse erheblich. Bei dem beschriebenen Umfang der Werke ist eine Auswahl notwendig. Hierbei gilt es, Kriterien festzulegen, anhand deren eine Auswahl erfolgen soll. [9]
Auf der einen Seite ist ein Vergleich der Frameworks möglich. Andererseits wünschen Organisationen weniger einen theoretischen Vergleich als vielmehr eine Vorgehensweise zur Auswahl eines Frameworks. Dies beinhaltet letztendlich einen Vergleich, führt jedoch nicht zu einer konkreten Empfehlung eines bestimmten Frameworks. Zu diesem Zweck wurden einschlägige Analysen berücksichtigt. [10]
Als Grundlage dient eine Literaturanalyse. Dabei wurde mit verschiedenen Stichwörtern nach bereits erfolgten Analysen und Vergleichen von Frameworks gesucht. Relevante Arbeiten werden kurz zusammengefasst, um einen Überblick über die Literatur zu geben. Im nächsten Schritt wird die Literatur anhand bestimmter Merkmale ausgewertet. Damit sollen bestimmte Trends erkennbar gemacht werden.
Für die Literaturanalyse wurden Recherchen in den Suchmaschinen Google Scholar und ScienceDirect durchgeführt. Die dabei gefundenen Artikel wurden hinsichtlich ihrer Themenverwandtschaft mit dieser Arbeit untersucht und gruppiert. Arbeiten, die eine ähnliche Fragestellung wie diese aufweisen, wurden auf die verwendeten Quellen hin untersucht.
Im nächsten Schritt erfolgt eine Aufstellung der Kriterien für die Auswahl und Einführung eines Frameworks in einer Organisation unter Berücksichtigung der analysierten Literatur. Neben der Shortlist der Frameworks aus der Literaturanalyse werden weitere Quellen zu Frameworks analysiert und mit Beispielen belegt. Die Auswertung der Marktsituation soll einen abschließenden Überblick über Trends im Bereich der Enterprise-Architecture-Frameworks geben.
Aufgrund der bereits zahlreichen Vergleiche von Frameworks hinsichtlich Merkmale, Bestandteile und Herangehensweisen erfolgt kein erneuter Vergleich in diese Richtung. Vielmehr soll mit der Literaturanalyse ein Überblick über die bisherigen Analysen sowie mit den Auswahlkriterien Hinweise zur eigenen Auswahl eines Frameworks gegeben werden.
Die nachfolgende Literaturanalyse fasst in einem ersten Schritt die bisherigen Vergleiche von Frameworks kurz zusammen. Dies soll den Leser auch bei der Suche nach für ihn hilfreichen Analysen unterstützen. Im Anschluss wird die Literatur kurz analysiert, was zumindest Rückschlüsse auf die wissenschaftliche Sichtweise ermöglicht.
Der nachfolgende Abschnitt fasst Arbeiten zusammen, die den Vergleich von Enterprise-Architecture-Frameworks zum Gegenstand haben. Die Arbeiten sind alphabetisch nach Titeln geordnet.
Die ausgewertete Literatur analysiert verschiedene Enterprise-Architecture-Frameworks anhand unterschiedlicher Kriterien. Die nachfolgende Übersicht führt die analysierten Frameworks auf und gibt die Anzahl der Erwähnungen an. Dabei werden nur Frameworks berücksichtigt, die weithin als Enterprise-Architecture-Frameworks gelten. Ein Indikator ist dabei eine mindestens zweimalige Erwähnung in der analysierten Literatur. Das C4ISR wird zum DoDAF gezählt, das es als Nachfolger ersetzt hat. Die Arbeit von Matthes (14.) wird nicht berücksichtigt, da die aufgelisteten Frameworks nur teilweise mit der Definition eines Enterprise-Architecture-Frameworks in anderen Arbeiten übereinstimmen. Die Meta-Analyse von Odongo, Kang und Ko (15.) wird nicht berücksichtigt, da die analysierten Arbeiten ansonsten doppelt gezählt würden.
| Framework | Anzahl der Berücksichtigungen |
|---|---|
| 4+1 Sichtenmodell | 2 |
| ARIS | 2 |
| DoDAF und C4ISR | 12 |
| Gartner Framework | 2 |
| GERAM | 3 |
| FEAF | 11 |
| MODAF | 2 |
| TEAF | 5 |
| TOGAF | 9 |
| Zachman Framework | 12 |
Dass das Zachman Framework auf dem ersten Platz der Nennungen steht, ist nicht überraschend. Zachman gilt als einer der profiliertesten Forscher im Bereich des Enterprise-Architecture-Managements. Ein Artikel zum Thema müsste sich bei Nichtberücksichtigung seines Frameworks wohl dem Vorwurf der Unvollständigkeit aussetzen. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium mit seinem immensen finanziellen Budget spielt eine bedeutende Rolle bei den Investitionen in Informationstechnologie in den USA. Dies spiegelt auch die umfassende Berücksichtigung des DoDAF wider. Das DoDAF hat das C4ISR als dessen Nachfolger abgelöst. Das FEAF ist das zentrale Framework für weitere Teile der öffentlichen Verwaltung in den USA. Analog zum DoDAF hat sich hier eine Reihe staatlicher Organisationen auf ein einheitliches Framework geeinigt. Hinter Zachman und den beiden staatlichen Frameworks folgt TOGAF. Dieses, als Framework der Open Group, eines Konsortiums zahlreicher Unternehmen, belegt Rang vier. Ähnlich wie im US-amerikanischen Verwaltungsbereich haben sich hier zahlreiche Unternehmen auf ein einheitliches Framework geeinigt. Obgleich es keine offizielle Norm ist, wird es von den Mitgliedern und zahlreichen weiteren Unternehmen als Quasi-Standard angesehen. Es ist zumindest bei nicht-kommerzieller Nutzung offen und kostenlos zugänglich und deckt aufgrund seines Umfangs zahlreiche Einsatzszenarien ab. Überraschend ist die im Vergleich zu DoDAF und FEAF geringere Erwähnung. Unter Umständen hat dies mit dem Design, der Finanzierung oder der Herkunft der analysierten Aufsätze zu tun. Dies bedürfe einer genaueren Analyse. TEAF wurde mittlerweile durch FEAF ersetzt. Die Bedeutung wird somit mittelfristig abnehmen. GERAM erlangte über die wissenschaftliche Arbeit hinaus nur geringe Bedeutung. Das Gartner Framework und ARIS sind proprietäre Frameworks, die in der Praxis eingesetzt werden. Aufgrund der geringen Anzahl an Primärquellen des Gartner Frameworks ist davon auszugehen, dass es nicht mehr aktiv weiterentwickelt wird. ARIS, als Entwicklung von IDS Scheer, heute Software AG, hat in Deutschland weite Verbreitung. Es wird nicht nur im Bereich des Enterprise-Architecture-Managements, sondern auch im klassischen Business-Process-Management sowie in SAP-Implementierungsprojekten genutzt. MODAF ist eine Weiterentwicklung des DoDAF und wird vom britischen Verteidigungsministerium eingesetzt. Es besitzt über das Vereinigte Königreich hinaus nur eine geringe Verbreitung.
Die Auswertung der Literatur nach Erscheinungsjahr gibt einen Überblick über die Intensität der Forschung im Bereich des Enterprise-Architecture-Managements im Zeitverlauf.
| Jahr | Anzahl der Arbeiten |
|---|---|
| 2004 | 3 |
| 2006 | 6 |
| 2007 | 2 |
| 2009 | 1 |
| 2013 | 1 |
Diese erreicht im Jahr 2006 ihren Höhepunkt. Dies deckt sich mit einer Welle der IT-Modernisierung in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung. Dabei wurden insbesondere die Infrastruktur und die horizontale Anwendung modernisiert. Mit der breiten Nutzung multimedialer Inhalte begannen auch die Unternehmen, IT als wertsteigernden Bestandteil ihres Produkts einzusetzen, was ein effizientes Management der Architektur unabdingbar macht.
Die Arbeiten unterscheiden sich deutlich im Umfang. Sie reichen von einem kurzen Vergleich verschiedener Frameworks bis hin zu umfangreichen Vergleichen anhand eigens aufgestellter Systematiken. Zum einen wurden Analysen durchgeführt, die den Vergleich der Herangehensweise, der Funktion und der Bestandteile zum Ziel hatten. Diese erfolgen in der Regel deskriptiv, teilweise zusammenfassend in einer Tabelle. Als zweite Kategorie lassen sich Arbeiten einordnen, die eine eigene umfangreiche Methodik entwickeln, um verschiedene Frameworks zu vergleichen. Dabei wird beispielsweise versucht, die Frameworks mithilfe eines eigens entwickelten Meta-Frameworks zu vergleichen. In diesem Fall werden die Bestandteile verschiedener Frameworks gewissermaßen synchronisiert. Eine andere Vorgehensweise besteht darin, einen messbaren Benchmark festzulegen. Den verschiedenen Eigenschaften und Bestandteilen werden Skalen zur Bewertung beigefügt. Die Bewertungskriterien können dabei gewichtet oder gar aus der Berechnung entfernt werden. Am Ende wird eine eindeutige Auswertung der verglichenen Frameworks vorliegen. Diese Herangehensweise lässt sich auch auf weitere Frameworks ausdehnen, zum Beispiel auf zu einem späteren Zeitpunkt Entwickelte. Die nachfolgende Gliederung bietet eine Übersicht über die Systematiken der ausgewerteten Arbeiten.
| Vorgehensweise und Umfang | Anzahl der Arbeiten |
|---|---|
| Deskriptiver Vergleich von Funktionen, Bestandteilen und Sichten | 11 |
| Systematischer Vergleich mit eigener Methodik | 3 |
| Andere Vorgehensmodelle | 1 |
Der Anteil der Arbeiten, die Frameworks anhand von Funktionen und Bestandteilen beschreiben, überwiegt. Diese geben einen guten Einblick in den Aufbau und die Funktionsweise der Frameworks. Einige Arbeiten beschreiben die verglichenen Frameworks nur kurz, andere stellen sie tabellarisch gegenüber. Alle geben einen guten Überblick über die entscheidenden Unterschiede zwischen den verschiedenen Frameworks, sodass sich Verantwortliche bei der Auswahl schnell orientieren können. Die Arbeiten, die einen systematischen Vergleich mithilfe einer eigens entwickelten Methodik durchführen, behandeln das Thema komplexer. Hierbei wird zum einen versucht, die verschiedenen Elemente der verglichenen Frameworks zu synchronisieren. Dabei sollen die einzelnen Bestandteile des Frameworks gegeneinander aufgestellt werden. Zum anderen werden die Frameworks hinsichtlich ihres Umfangs untersucht und dargestellt. Dies führt zu einer Bewertungsmethode, die sich auch an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt.
Odongo, Kang und Ko reduzieren die Auswahl der verglichenen Frameworks auf Zachman, DoDAF, TOGAF, TEAF und FEAF. Das C4ISR wurde durch den Nachfolger DoDAF ersetzt. GERAM wurde aufgrund der allgemeinen Vorgehensweise und des breiten Einsatzes in Unternehmen durch TOGAF ersetzt. [23]
Mittlerweile wurde TEAF durch FEAF ersetzt. Somit verfügt die Bundesverwaltung der Vereinigten Staaten über FEAF als einheitliches Enterprise-Architecture-Framework. [24]
In Deutschland ist ARIS zudem weit verbreitet. Obwohl es international wissenschaftlich nur selten untersucht wird, sollte es als wichtiges Framework für Deutschland berücksichtigt werden.
Darüber hinaus existieren weitere Enterprise-Architecture-Frameworks, die in der ausgewerteten wissenschaftlichen Literatur jedoch nicht oder nur in geringer Zahl berücksichtigt wurden.
Zusammenfassend bleiben demnach ARIS, DoDAF, FEAF, TOGAF und Zachman für den deutschsprachigen Raum übrig.
Die Literaturanalyse zeigt eine breite Bandbreite an Vergleichen zwischen Enterprise-Architecture-Frameworks. Auffällig ist dabei zunächst die häufige Berücksichtigung militärischer Frameworks sowie solcher der öffentlichen Verwaltung. Beide fielen bislang nicht gerade als Treiber neuer Technologien auf. Auf der anderen Seite entspringt zum Beispiel auch die IT Infrastructure Library der öffentlichen Verwaltung des Vereinigten Königreichs. Das Zachman Framework, als bedeutendstes ziviles Framework, genießt ebenfalls eine hohe Anzahl an Berücksichtigungen. Auch wenn das Framework im Unternehmenseinsatz nicht mehr am häufigsten eingesetzt wird, sind die Arbeiten Zachmans zu diesem Thema von herausragender Bedeutung. Nach TOGAF spielt im Hinblick auf die Erwähnungen kein Framework mehr eine besondere Rolle. Im Jahr 2006 wurden mit Abstand die meisten Arbeiten veröffentlicht. Die starke Abnahme weiterer Vergleiche über dieses Jahr hinaus ließe normalerweise auf eine Konsolidierung des Marktes für Enterprise-Architecture-Frameworks schließen. Diese ist bislang nur teilweise belegt: Im Bereich der öffentlichen Verwaltung der Vereinigten Staaten findet eine Konzentration auf FEAF statt. Dies scheint sich neben dem DoDAF des Militärs als Standard zu etablieren. Im zivilen Bereich setzen sich TOGAF und Zachman offensichtlich durch. In Deutschland und im deutschsprachigen Raum bleibt ARIS zudem von Bedeutung.
Die Literaturanalyse gibt einen Überblick über bisher vorgenommene Vergleiche zwischen Enterprise-Architecture-Frameworks. Ergänzend werden die Auswahlkriterien analysiert und unter Berücksichtigung weiterer Frameworks die Einführung eines solchen kommentiert.
Erfolgte Analysen konzentrieren sich überwiegend auf zwei Aspekte: einen methodischen Vergleich des Aufbaus und der Funktionsweise der Frameworks sowie einen Vergleich des Umfangs und der Vollständigkeit auf funktionaler Ebene. Dagegen sind die folgenden Auswahlkriterien von grundlegender Bedeutung.
Zugänglichkeit: Die Verfügbarkeit der zentralen Framework-Dokumente ist während des gesamten Nutzungszyklus relevant. Angefangen bei der initialen Auswahl, über die Schulung der Mitarbeiter bis zur Einführung und Anpassung an unternehmenseigene Bedürfnisse. Eine generelle freie Verfügbarkeit unter einer Open-Source-Lizenz ist für einen technischen Standard die einfachste Möglichkeit, eine schnelle Verbreitung zu erreichen. Interessierte können sich so ohne großen Aufwand das Framework selbst sowie ergänzende Dokumente aus dem Web herunterladen. Auch eine Veränderung und die anschließende Wiederveröffentlichung für andere Organisationen sind hier relativ einfach. Dies wäre insbesondere im Bereich der öffentlichen Verwaltung interessant, da sich diese aufgrund ihrer komplexen Strukturen nur schwer auf ein Framework einigen und dieses lizenzieren können. Bei einer proprietären Veröffentlichung unter einer kommerziellen Lizenz ist die Zugänglichmachung als kostenloser Download von erheblichem Vorteil. Dabei kann das Framework im Volltext kostenlos heruntergeladen werden, solange der Einsatz im nicht-kommerziellen Bereich, also im privaten oder akademischen Bereich, erfolgt. Dies unterstützt insbesondere eine schnelle und breite Verbreitung. Eine liberale Lizenzierung und die gleichzeitige Unterstützung von Institutionen bei der Verwendung des Frameworks, etwa von Universitäten und Autoren von Schulungsunterlagen, können somit entscheidend für einen signifikanten Marktanteil sein. Anders sieht es bei einer stringenten kommerziellen Vermarktung aus: Frameworks, die nur gegen Gebühr oder bei Abschluss eines entsprechenden Beratungsvertrags mit der herausgebenden Organisation einsehbar sind, werden es schwierig haben, einen signifikanten Marktanteil zu erlangen.
Aktualität und Weiterentwicklung: Wenngleich die IT-Neuinstallation in Unternehmen deutlich langsamer vonstattengeht als bei Privatpersonen, unterliegt die IT-Branche schneller Entwicklungszyklen. Dies gilt nicht nur für Technologien und Produkte, sondern auch für Herangehensweisen und Prozesse. Somit muss auch ein Enterprise-Architecture-Framework kontinuierlich weiterentwickelt und an aktuelle Trends angepasst werden. Dies gilt nicht nur für das Rahmenwerk selbst: Eine aktive Gemeinschaft entwickelt Schnittstellen zu anderen Frameworks, passt Standards an die jeweilige Verwendung an und teilt Erfahrungen aus dem Einsatz in bestimmten Branchen, Ländern und Organisationsformen. Die aktive Weiterentwicklung gibt der Nutzergemeinschaft Rückkopplung, dass ihre Investitionen in Ausbildung und aktive Weiterentwicklung auch in Zukunft einen Mehrwert bieten. Frameworks, die sichtbar nicht weiterentwickelt werden, geben schnell Anlass zu Zweifeln an ihrer Zukunftsfähigkeit. Dies hat massive Auswirkungen auf das Engagement der Nutzergemeinschaft und damit auf die weitere Verbreitung sowie auf die steigenden Marktanteile. Nicht zu unterschätzen sind auch die Offenheit und die Form der Weiterentwicklung. Wird diese nur von einer einzelnen Organisation betrieben, berücksichtigt sie eventuell Eingaben und Hinweise, oder erfolgt die Weiterentwicklung gänzlich offen und communitygetrieben? Letzteres ist von Vorteil nicht nur bei der Entwicklung internationaler Standards, sondern auch bei Open-Source-Software, die heutzutage die Grundlage vielfacher kommerzieller Produkte ist.
Umfang und Allgemeingültigkeit: Für einen breiten, branchenübergreifenden Einsatz eines Frameworks sollte es für viele Organisationen einsetzbar sein. Dazu ist es wichtig, dass es zum einen gewisse inhaltliche Tiefe besitzt, zum anderen vor allem die Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zudem ist es sinnvoll, nicht nur auf eine Beschreibungsmethodologie oder ein Repository von Architekturmerkmalen zurückgreifen zu können, sondern auch auf eine praxisnahe Prozessbeschreibung der Architekturentwicklung. Erst bei möglichst vielen Bestandteilen lässt sich sicherstellen, dass individuelle Einsatz- und Nutzerwünsche befriedigt werden. Weiterhin wichtig für eine breite Verbreitung ist die Allgemeingültigkeit. Das Framework sollte von Organisationen aller Branchen verwendet werden können. Da diese miteinander interagieren, ist der Einsatz desselben Frameworks oft ein erheblicher Vorteil. Diverse Frameworks wurden entwickelt, um von einem begrenzten Nutzerkreis eingesetzt zu werden. Teilweise besteht dieser aus nur einzelnen, wenngleich sehr großen, Organisationen. Der Umfang ist in diesen Fällen begrenzt, und eine Allgemeingültigkeit besteht nicht. Der Einsatz und gegebenenfalls die Weiterentwicklung erfolgen dann von der jeweiligen Organisation oder der Gruppe von Organisationen. Eine Verbreitung darüber hinaus ist in diesen Fällen häufig nicht vorgesehen, selten gewünscht.
Interoperabilität und Adaptierbarkeit: Verschiedene Organisationen setzen unterschiedliche Enterprise-Architecture-Frameworks ein. Gleichzeitig lassen sich Mitarbeiter schulen und Beratungsunternehmen zertifizieren. Aufgrund der Differenzen zwischen den Frameworks ist die Mobilität stark eingeschränkt. Umso wichtiger ist die Interoperabilität untereinander. So lassen sich im besten Fall verschiedene Frameworks unternehmensübergreifend miteinander verbinden. Ein weiteres Feld der Interoperabilität ist das mit anderen Best Practices, insbesondere aus dem Bereich des IT-Managements. Zu nennen wären insbesondere Frameworks aus den Bereichen IT-Governance und IT-Service-Management. Im Gegensatz zum Enterprise-Architecture-Management haben sich in diesen Bereichen zumindest in der Wirtschaft (in Abgrenzung zur öffentlichen Verwaltung) Quasi-Standards etabliert. Dies sind Control Objectives for Information and Related Technology (COBIT) im Bereich der IT-Governance sowie die IT Infrastructure Library (ITIL) im Bereich des IT-Service-Managements. Mitarbeiter und Management wünschen eine ganzheitliche Betrachtung von Unternehmen und IT. Dabei werden im Optimalfall vorhandene Schnittstellen genutzt. Wissenschaftliche Untersuchungen und Praxisberichte dienen als Rahmen für individuelle Konfigurationen. Das eingesetzte Enterprise-Architecture-Framework muss sich darauf einstellen lassen. In diesem Fall lassen sich Teile einfach modulart ergänzen oder streichen. Letzteres kann zur vereinfachten Handhabung, insbesondere in kleineren Organisationen, sinnvoll sein.
Verbreitung: Ein Indikator für den Erfolg eines Frameworks ist seine Verbreitung. Dies kann zum Beispiel absolut, etwa anhand der Anzahl der einsetzenden Unternehmen, oder relativ, in Form des Marktanteils, gemessen werden. Auf der anderen Seite ist eine Marktdurchdringung kein Indikator für eine etwaige methodische oder funktionale Überlegenheit des Frameworks. Begründet ist diese Divergenz zum einen durch die unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen. Qualitative Überlegenheit hängt immer vom Betrachtungs- und Messwinkel ab. Zum anderen kann die Zugänglichkeit des Frameworks eine Rolle spielen. Offene Normen und Standards erfreuen sich häufig einer deutlich größeren Aufmerksamkeit. Regelmäßig aktualisierte Frameworks sind zwar nicht unbedingt besser, berücksichtigen jedoch nicht nur die technische Entwicklung. Vielmehr werden aktuelle Managementmethoden und -prozesse eingepflegt, die für die schnelle Implementierung in den Organisationen ausschlaggebend sein können. Vorteile einer breiten Verbreitung des einzusetzenden Frameworks sind die Risikoteilung und die Kompatibilität mit anderen Organisationen. Zudem lohnen sich eher Investitionen in Schulungen und Zertifizierungen sowie eine Beteiligung an der Weiterentwicklung des Frameworks.
Infrastruktur: Die Einführung eines Enterprise-Architecture-Frameworks ist ein umfangreicher Prozess. Dabei reicht es nicht aus, das Framework und die Implementierungshilfen zu beachten. Vielmehr muss das Framework an die individuellen Bedürfnisse der Organisation angepasst werden. Dies erfolgt häufig durch ein Beratungsunternehmen, wenn das dafür notwendige Know-how in der Organisation fehlt. Somit ist ein Markt für Beratung und weitere Dienstleistungen rund um das Framework notwendig. Nur wenn genügend Anbieter komplementäre Dienstleistungen anbieten, ist ein Unternehmen berechtigt, ein Framework auszuwählen und einzuführen. Während der Einführung und der anschließenden produktiven Nutzung eines Frameworks müssen zudem Anwender und Management geschult und zertifiziert werden. Zu diesem Zweck muss die herausgebende Organisation des Frameworks Zertifizierungen und Schulungsmaterialien anbieten. Auch ergänzende Lehrbücher, zum Beispiel für die Hochschulausbildung, können sinnvoll erscheinen. Eine aktive Nutzergemeinschaft erstellt unter Umständen auch freie Dokumentations- und Schulungsunterlagen, zum Beispiel mit Hilfe eines Wikis. Je mehr qualitativ hochwertige Materialien zur Verfügung stehen, umso eher werden Entscheider und Mitarbeiter eine Einführung eines Frameworks unterstützen.
Tool-Unterstützung: Der Aufbau eines Enterprise-Architecture-Managements in Organisationen erfolgt in der Regel mit Unterstützung eines Software-Tools. Dies unterstützt den Prozess der Architekturbeschreibung und dokumentiert die Ergebnisse. Zudem ermöglicht es die automatische Visualisierung der Unternehmensarchitektur aus verschiedenen Blickwinkeln und auf unterschiedlichen Ebenen. Natürlich kann die Architektur auch ausschließlich mit Standard-Tools wie Microsoft Office beschrieben werden, was für kleine Unternehmen aufgrund der geringen Komplexität sogar empfehlenswert sein kann. Jedoch werden sich mittlere Unternehmen und Konzerne schnell nach einer speziellen Anwendung zur Erstellung der Unternehmensarchitektur umsehen. Somit ist es entscheidend, dass die Software-Tools am Markt das gewählte Enterprise-Architecture-Framework unterstützen. Im Umkehrschluss wird ein Unternehmen die Unterstützung durch Software-Tools bei der Auswahl eines Frameworks berücksichtigen.
Wissenschaftliche Rezeption: Zur Unterstützung ist es hilfreich, nicht nur Hand- und Lehrbücher zu lesen. Wissenschaftliche Artikel analysieren das Framework auf verschiedenen Ebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven. Da eine intensive Auseinandersetzung mit der Funktionsweise des Frameworks bevorsteht, ist es empfehlenswert, bereits erfolgte Analysen zu berücksichtigen. Somit unterstützt eine breite wissenschaftliche Rezeption die Einführung eines Frameworks.
Die Shortlist fasst die aktuellen in der Literatur analysierten Frameworks zusammen. Darüber hinaus lassen sich weitere Frameworks anhand verschiedener Kriterien kategorisieren.
Normen und Standards: Verschiedene Modelle zur Beschreibung technischer Architekturen sind in internationale oder nationale Normen standardisiert. Dabei haben diese ein Normungsverfahren durchlaufen und sind gemeinhin öffentlich einsehbar und kostenlos zu verwenden. Der Vorteil dieser Frameworks ist ihre freie Verfügbarkeit. Durch die Normung sind alle Dokumente öffentlich zugänglich und in der Regel kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr im Web herunterzuladen. Beispiele hierfür sind ISO 19439:2006 Enterprise Integration - Framework for Enterprise Modelling und Reference Model of Open Distributed Processing (RM-ODP).
Gemeinsam entwickelte Frameworks: Oft bilden verschiedene Organisationen ein Konsortium zur Entwicklung eines Standards. Dabei wird in der Regel eine eigene Organisation, ähnlich einem Verein, gegründet, um den Standard zu entwickeln, zu aktualisieren und zu lizenzieren. Mitglieder sind eingeladen, sich aktiv an der Entwicklung des Frameworks zu beteiligen. Oftmals können große Teile des Frameworks zur persönlichen, nicht-kommerziellen Verwendung kostenlos aus dem Web heruntergeladen werden. Beispiele für in Konsortien entwickelte Frameworks sind TOGAF im privaten Bereich und die International Defence Enterprise Architecture Specification Group (IDEAS Group) im öffentlichen Bereich.
Frameworks staatlicher Organisationen: Einige Staaten haben eigene Frameworks für ihre Regierungsorganisationen entwickelt. Die Verwendung eines einheitlichen Frameworks erscheint insofern sinnvoll, als die verschiedenen Behörden und andere Organisationen gemeinsame Geschäftsprozesse besitzen und vielfach untereinander Daten austauschen. Das bekannteste Framework hierbei ist das FEAF der US-amerikanischen Bundesbehörden. Aber auch die US-amerikanischen Bundesstaaten haben mit der National Association of State Chief Information Officers (NASCIO) eine Organisation gegründet, die das Thema Enterprise Architecture maßgeblich verfolgt. Dabei wird auch ein eigenes Framework entwickelt. In Deutschland wurden bislang von der öffentlichen Verwaltung keine eigenen Frameworks entwickelt.
Militärische Frameworks: Neben Finanzdienstleistern sind die Militärs die größten Betreiber von IT-Systemen. Dies spiegelt sich im Bedarf an passenden Architekturframeworks wider. Aufgrund der Komplexität und Besonderheiten des Militärs ist die Entwicklung eigener Frameworks naheliegend. So hat das US-Militär das C4ISR entwickelt, das später im DoDAF aufgegangen ist. Daneben verfügen auch weitere Staaten über eigens für ihre Streitkräfte entwickelte Enterprise-Architecture-Frameworks. Zu nennen sind insbesondere das British Ministry of Defence Architecture Framework (MODAF), das NATO Architecture Framework (NAF) sowie das Atelier de Gestion de l’Architecture des systèmes d’information et de communication (AGATE) der französischen Streitkräfte. Die Bundeswehr besitzt kein eigenes Framework, sondern kombiniert vielmehr verschiedene Frameworks. [25]
Offene Frameworks: Die bislang genannten Frameworks unterliegen in der Regel einer proprietären Lizenz. Auch wenn der Download für den nicht-kommerziellen Gebrauch kostenlos sein mag, sind diese Frameworks nicht im Sinne des Open-Source-Gedankens offen. Insbesondere eine Abspaltung und anschließende Weiterentwicklung im Rahmen eines neuen Projekts sind nicht möglich. Oftmals werden die zentralen Dokumente der Frameworks nicht einmal zum kostenlosen Download bereitgestellt. Im Gegensatz dazu sind die offenen Frameworks nicht nur für jedermann vollständig zugänglich, sondern können auch unter Einhaltung der Lizenz individuell verändert und wiederveröffentlicht werden. Als wichtigste Vertreter der Open-Source-Frameworks sind die LEADing Practice Enterprise Standards zu nennen, in deren Rahmen auch ein Enterprise-Architecture-Framework bereitgestellt wird. Insbesondere zahlreiche Universitäten wirken an der Weiterentwicklung dieses Frameworks mit.
Sonstige Frameworks: Daneben gibt es weitere. Insbesondere Beratungsunternehmen haben im Laufe der Zeit eigene Modelle entwickelt. Diese sind häufig Abwandlungen von TOGAF und Zachman. Zu nennen sind hier Atos, Capgemini und SAP, die in der Vergangenheit eigene Frameworks entwickelt haben. Anhand der spärlichen Informationen und verwaisten Webseiten lässt sich jedoch vermuten, dass diese nicht mehr aktiv weiterentwickelt werden. Einige Unternehmen haben sich zudem das Ziel gesetzt, komplexitätsreduzierte Frameworks zu entwickeln. Diese sollen eine schnelle Erfassung der Architektur und damit die Implementierung des Frameworks unterstützen. Zielgruppe sind hierbei mittelständische Unternehmen sowie größere nationale Unternehmen. Die Lizenzierung dieser Frameworks ist dabei nicht selten an einen Beratungsvertrag gekoppelt. Oft werden auch die passenden Software-Tools zur Dokumentation der Architektur mitgeliefert. Teilweise sind Bestandteile oder vollständige Frameworks und Software-Tools auch als Open Source verfügbar. Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit vergleichbaren Ansätzen sind die act! consulting GmbH und die iteratec GmbH. Ähnliche Ansätze existieren auch im englischsprachigen Raum. Zu diesen gehören zum Beispiel Pragmatic Enterprise Architecture und The Essential Project.
Organisationen der öffentlichen Verwaltung erhalten in der Regel Vorgaben zur Verwendung eines Enterprise-Architecture-Frameworks. Bezogen auf die Bundesrepublik Deutschland wäre dies ein Bundesministerium. Dieses entscheidet für seinen Geschäftsbereich über Standards und damit über ein Framework. Nachgeordnete Bundesbehörden orientieren sich dann an den Vorgaben des Bundesministeriums. Analog werden Entscheidungen auf Landesebene oder kommunaler Ebene getroffen. Obgleich ein Trend zu ressortübergreifenden Absprachen zu erkennen ist und eine IT-Strategie des Bundes existiert, wird es bis zu übergreifenden Architekturplanungen noch länger dauern. Am Beispiel der Bundeswehr, als in sich relativ geschlossener Bereich, lässt sich die Komplexität einer übergreifenden Architekturplanung erkennen. Hier wurde die IT bis vor wenigen Jahren vollständig von den einzelnen Teilstreitkräften geplant und umgesetzt.
Unternehmen und andere private Organisationen (zum Beispiel Vereine) haben hingegen die Wahl eines Enterprise-Architecture-Frameworks. Die Auswahl eines Frameworks sollte dabei nicht überhastet erfolgen. In der Regel wird viel in die Dokumentation einer Unternehmensarchitektur investiert. Beim Wechsel des Frameworks muss diese gründlich angepasst werden. Selbst bei Unterstützung mehrerer Frameworks der eingesetzten Software zur Modellierung muss die Dokumentation händisch zumindest teilweise angepasst werden. Bei umfangreichen Architekturen großer Konzerne kann dies mit erheblichem Aufwand verbunden sein.
Wenn ein deutsches, eher auf dem nationalen Markt agierendes Unternehmen die Auswahl eines Frameworks mit der oben genannten Shortlist beginnt, fallen zunächst das DoDAF und das FEAF heraus. Diese sind auf amerikanische Organisationen der öffentlichen Verwaltung sowie auf deren Besonderheiten ausgerichtet. Die Weiterentwicklung erfolgt ohne Berücksichtigung von Unternehmen, die nicht mit der US-amerikanischen öffentlichen Verwaltung in Verbindung stehen.
Somit bleiben ARIS, TOGAF, Zachman sowie die erwähnten kommerziellen Entwicklungen der Beratungsunternehmen. Cameron und McMillian erkennen in ihrer Umfrage einen klaren Trend hin zu TOGAF. [26]
Andere Umfragen ergeben dabei ein differenziertes Bild. Die meisten Unternehmen erstellen dabei ein eigenes Framework. Dies setzt sich dann aus den Bestandteilen der etablierten Frameworks zusammen. Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Ovum ermittelte in einer Umfrage, dass sich 66% der Unternehmen ein eigenes Framework erstellt haben. In diesen Fällen ist jedoch davon auszugehen, dass als Grundlage am Markt bewährte Frameworks genutzt und im Customizing-Prozess an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Inwieweit diese dann als Neuentwicklungen zu verstehen sind, sei dahingestellt. 33% der Unternehmen nutzen zwei oder mehr Frameworks. Die am häufigsten verwendeten Frameworks sind TOGAF, das Pragmatic Enterprise Architecture Framework und Essential Project. [27]
Die Mitgliederliste der Open Group umfasst einen Großteil der internationalen IT-Wirtschaft. Darüber hinaus sind viele große Konzerne aus anderen Branchen Mitglieder. Dies lässt auf eine breite Unterstützung bei den Anwendern schließen. Eine Mitgliederliste des Enterprise Architecture Centers of Excellence, der Organisation hinter dem Zachman Framework, ist nicht einsehbar. [28]
Eine Literaturrecherche zu Markanteilen im Bereich der Enterprise-Architecture-Frameworks ergab keine nennenswerten Ergebnisse. Im Gegensatz zu anderen Bereichen des IT-Managements, wie zum Beispiel dem IT-Service-Management, bei dem sich ITIL, und dem Bereich der IT-Governance, bei der sich COBIT durchgesetzt hat, kann im Bereich der Enterprise Architecture bislang nicht von einer Marktdurchdringung eines der Frameworks ausgegangen werden.
Für die Zukunft gilt es eine empirische Marktstudie zu erstellen, welche die Marktanteile im Bereich der Enterprise-Architecture-Frameworks genauer untersucht. Dies könnte zum Beispiel in Form einer Umfrage unter IT-Leitern (Chief Information Officer, CIO) erfolgen. Praktisch wäre eine Kombination mit der Frage nach dem Einsatz weiterer Frameworks im Bereich des IT-Managements.
Die Auswahl eines Enterprise-Architecture-Frameworks sollte von langer Hand geplant und systematisch durchgeführt werden. Dabei kann die analysierte Literatur entscheidende Hinweise liefern. Diese vergleicht insbesondere Bestandteile, den Aufbau und die Nutzung. Darüber hinaus sollten weitere grundlegende Auswahlkriterien berücksichtigt werden. Die Auswahl an Frameworks geht über die Shortlist hinaus. Da sich die Anforderungen der Unternehmen stark unterscheiden, kann keine generelle Empfehlung getroffen werden. Die Betrachtung der Mitgliederliste der Open Group lässt jedoch auf eine breite Unterstützung dieses Frameworks schließen. Es ist zudem relativ offen in der Verwendung und kann von Mitgliedern der Organisation weiterentwickelt werden. Es ist demnach durchaus möglich, dass sich hier zumindest bei großen privatwirtschaftlichen Organisationen ein Quasi-Standard abzeichnet. Für kleinere Unternehmen bleiben die diversen Eigenentwicklungen weiterhin interessant, da sie mit geringem Einführungsaufwand beworben werden können. Auch in Zukunft werden verschiedenste Frameworks weiterentwickelt, da Organisationen unterschiedliche Anforderungen haben, sodass sie sich auf ein einziges einigen könnten.
Die vorliegende Arbeit führt eine Marktanalyse der bestehenden Werkzeuge zur Modellierung von Unternehmensarchitekturen durch. Sie gliedert sich in eine Literaturanalyse und eine ergänzende Analyse.
Die Literaturanalyse untersucht bisherige Vergleiche zwischen Enterprise-Architecture-Frameworks. Ziel ist, mit jeweils kurzen Zusammenfassungen einen Einblick in die unterschiedlichen Arbeiten zu erhalten. Darüber hinaus werden die Arbeiten genauer analysiert. Eine Shortlist fasst die aktuell wichtigsten Frameworks zusammen.
Die ergänzende Analyse erweitert die Literaturanalyse um grundlegende Kriterien zur Auswahl eines Frameworks. Diese hat auch den Anspruch, Entscheidern einen Überblick über die wichtigsten Kriterien zu geben. Ein Überblick über weitere Frameworks und deren Kategorisierung ergänzt die Shortlist der Literaturanalyse. Eine Auswertung der zuvor durchgeführten Analysen ermöglicht Rückschlüsse auf die aktuelle Marktsituation.
Insgesamt ergeben sich verschiedene Erkenntnisse:
Dies lässt nachfolgende Schlussfolgerungen zu:
Die Bedeutung des Enterprise-Architecture-Managements wird zunehmen. Die Marktkonsolidierung im Bereich der Frameworks wird eine zunehmende Adoption unterstützen. Für die europäische öffentliche Verwaltung ergeben sich neue Herausforderungen. Beratungsunternehmen verschiedener Größen werden den Trend nutzen.